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Stolzer Europameister

Der Zimmerer Jonas Lauhoff ist frischgebackener Europameister.

Jonas Lauhoff (23) ist Zimmerer aus Thüringen und frischgebackener Europameister. Als deutscher Vertreter war er vom 5. bis 9. September beim europäischen Berufswettbewerb in Gdańsk (Polen) und sicherte sich die Goldmedaille. Wie es dazu kam, hat uns das aktive Mitglied der Zimmerer-Nationalmannschaft berichtet.

Herr Lauhoff, Sie sind frischgebackener Europameister – herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt es sich an und was hat sich seitdem für Sie verändert?

Es ist gar nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden. Ich bin überglücklich, dass ich den Wettbewerb gewonnen habe. Europameister zu werden, ist ein mega-tolles Gefühl. Ehrlich gesagt, kann ich es noch immer nicht richtig fassen. Nach der langen Zeit des intensiven Trainings und der Anspannung bin ich aber auch wahnsinnig erleichtert, es geschafft zu haben.

Nach dem Erfolg in Gdańsk habe ich eine Menge Glückwünsche erhalten und wurde von vielen Leuten angesprochen. Das Telefon stand nicht mehr still und ich habe zahlreiche Interviews gegeben. Das war eine spannende und aufregende Zeit. Mir blieben allerdings nur zwei Tage Verschnaufpause. Am Mittwoch nach dem Wettbewerb bin ich wieder in den Betrieb zurückgekehrt und habe mit der Arbeit losgelegt.

Wie lief der Wettbewerb im polnischen Gdańsk ab? Ab wann war Ihnen klar, dass es für Sie zum Titel reichen könnte?

Den ersten Tag der EuroSkills haben wir zur Vorbereitung genutzt, haben unseren Arbeitsplatz eingerichtet, die Maschinen aufgebaut, unser Werkzeug bereitgelegt und die Hölzer auf Maßhaltigkeit kontrolliert. Am ersten Wettkampftag habe ich die Aufgabenstellung genau studiert, um alle Details zu erfassen. Ich war hoch konzentriert und motiviert. Beim Zeichnen habe ich mir Zeit genommen, um keinen Flüchtigkeitsfehler zu machen. Mir war klar, dass ich beim Ausarbeiten des Modells wieder Zeit gewinnen würde. Für mich ist das die Königsdisziplin, die mir am besten gelingt. Am dritten Tag wurde ich schnell müde. Ich wusste aber auch, dass ich an diesem Tag alles geben muss, um das Ziel zu erreichen. Ich habe gemerkt, dass meine Kraft nachlässt. Ich habe dann ja auch einen kleinen Fehler gemacht. Daher habe ich mir eine Pause gegönnt und durchgehalten bis zum Schluss. Mir war zwar klar, dass ich gut vorbereitet war und beim Wettbewerb vorne mitspielen würde. Dass ich aber tatsächlich die Goldmedaille gewonnen habe, wurde mir erst bei der Siegerehrung klar, als mein Name ausgerufen wurde.

Wie wurden Sie als Teilnehmer für Deutschland ausgewählt und wie sah die konkrete Vorbereitung auf die EM aus?

Schon seit Beginn meiner Ausbildung war es mein Wunsch, Mitglied der Zimmerer-Nationalmannschaft zu werden. Ich habe mich über die Deutsche Meisterschaft qualifiziert und konnte am Ende auch Teamleitung und Trainer der Zimmerer-Nationalmannschaft von meinem Können überzeugen und wurde in das Team aufgenommen. Wir haben im vergangenen Jahr viele gemeinsame Trainings absolviert, in Bildungszentren, bei Unternehmen oder auch auf Messen. Es war eine superschöne Zeit mit dem Team der Nationalmannschaft, die ich nicht missen möchte. Das Miteinander und der Teamgeist in der Mannschaft ist besonders und motivierend.

Wir haben aber auch extrem gute Trainer, die zum Großteil selbst an Wettbewerben teilgenommen haben. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie man sich im Wettkampf fühlt und was man braucht, um bestmöglich zu bestehen. Eine Trainingsaufgabe, der Bau eines schönen Pavillons, basierte zum Beispiel auf einer alten Wettbewerbsaufgabe einer Weltmeisterschaft, die den EuroSkills-Regularien angepasst wurde. Von der Teamleitung wurden wir während des vergangenen Jahres hervorragend betreut und auf den Wettkampf vorbereitet.

Beim abschließenden gemeinsamen Training in Biberach ist die Entscheidung gefallen, wer für Deutschland in Gdańsk antreten soll. Ich war sehr stolz, dass ich ausgewählt wurde und wollte mein Bestes geben, was mir schließlich auch gelungen ist.

Was würden Sie jungen Zimmerinnen und Zimmerern raten, die auch den Traum haben, bei den Euro- oder WorldSkills anzutreten?

Es hat mir schon immer viel Spaß gemacht, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Daher habe ich bei verschiedenen Wettbewerben mitgemacht und so 2019 den 1. Platz beim Landeslehrlingswettbewerb der Zimmerer gewonnen. 2020 wurde ich dann Landessieger in Thüringen.

Wer an der EuroSkills oder der WorldSkills teilnehmen möchte, sollte zuvor schon bei anderen Wettbewerben Erfahrungen sammeln. Dann weiß man besser, was einen erwartet und worauf es ankommt. Für den Wettbewerb selbst braucht es viel Training. Im vergangenen Jahr habe ich neben den gemeinsamen Trainings mit dem Team der Zimmerer-Nationalmannschaft so oft wie möglich auch nach der Arbeit und am Wochenende trainiert. In den letzten Wochen vor dem Wettbewerb sogar fast täglich. Das war eine anstrengende Zeit. Aber – es hat sich gelohnt!

Beim Wettkampf selbst braucht es eine ruhige Hand und starke Nerven. Es braucht aber auch Leidenschaft und Ehrgeiz, um mitzumachen und sein Bestes zu geben. Es ist wichtig, sein Ziel immer vor Augen zu behalten, dafür zu kämpfen und niemals aufzugeben.

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